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 ht 15.8.2017

 

Mentale Stärke – der überschätzte Faktor

Bert van Manen, niederländischer Billardspieler und KOZOOM – Kolumnist widmet sich in seinem jüngsten Beitrag einem Thema , dass wie kaum ein anderes beim Billard diskutiert wird und häufig auch als herausragender Grund für Erfolg und Misserfolg genannt wird. Jeder Billardspieler liebt es; die starken, den besseren Spieler zu kritisieren. Wir wissen ganz genau, dass sie besser sind, aber wenn sie einen Fehler machen, dann sind sie endlich wieder Verwandte, und haben bestätigt, dass wir beide gleich menschlich sind, in der gleichen Vorführung auftreten. Ich bin normalerweise keiner von den schärferen Kritiker von Spielern. Mein Kollege Fritz Bakker sagt, ich sei zu großzügig, zu milde. „Du bist der Analytiker. Ich bin der Journalist“ Er hat damit wahrscheinlich Recht. Ich denke, das hat etwas damit zu tun, dass ich auf meinem bescheidenen Niveau selber zum Zirkus gehört habe. Nicht im Publikum, sondern mit dem Queue in der Hand. Das ändert die Perspektive für immer.

Ich habe ein Worldcup Match mit 15 zu 14 im fünften Satz gewonnen, und ich habe eins verloren mit genau dem gleichen Ergebnis. Gerechter wäre gewesen, wenn ich das erste verloren hätte und das zweite gewonnen. Ein oder zweimal habe ich einen stärkeren Gegner schlagen können. Viel öfter habe ich Dresche bekommen von einem Spieler, der außerhalb meiner Reichweite auf einem anderen Niveau Dreiband spielt ( das waren die meisten ). Eine der Sachen, die du dabei lernst, ist dies: manchmal wächst du über Dich hinaus, Du machst das absolut Beste, was Du kannst. Du bleibst stark, bist konzentriert, hast Deine Nerven unter Kontrolle, triffst die richtigen Entscheidungen, ohne den geringsten technischen Fehler triffst du den Ball genau, wie und wo Du willst und… .machst den Punkt nicht. Dreiband ist nicht nur das schwerste Spiel auf dieser Welt, sondern auch das grausamste. Kritik ist nichts falsches. Sie kann einen Spieler stärken und ihm helfen noch stärker zu werde.

.Aber ich denke, Billardspieler werden allzu oft aus den falschen Gründen kritisiert. Da gibt es unter den Fans, besonders unter denen, die nicht selber ernsthaft Dreiband spielen, allzu viele, die völlig fixiert auf die Idee, nur der mentale Aspekt sei von Bedeutung. Jeder Sieg und jede Niederlage wird darauf zurückgeführt.

Zielgruppe: Spieler zwischen 1,2 und 1,7 GD. Darunter wirst Du Dich sowieso nicht in der Sonne des Weltcup Ruhmes wärmen können und darüber ?... Darüber bist Du einer von den Großen in unserem Spiel. Aber achte mal darauf, wie Du sezierst wirst, wenn Du zur feinen Truppe der 1,5er zählst, denn dann werden Deine persönlichen Charaktereigenschaften bei jedem Spiel unters Mikroskop gelegt.

Lass uns einmal ein paar Dinge betrachten, die jeden Tag beim Dreiband auf hohem Niveau passieren.

1a) Du machst in den ersten 4 Aufnahmen in einem Match  6-1-9-2. Du bekommst jede Menge Beifall, den die Tafel sagt, dass Du sensationelles Dreiband spielst. In Wirklichkeit haben drei Deiner Serien geendet, weil Du den Ball schlecht gespielt hast. Du solltest 25 auf der Tafel schreiben und nicht 18.

1b) In den letzten vier Aufnahmen in einem Match machst Du 0-1-0-0. Dein Gegner macht in diesen vier Aufnahmen 15 Punkte, und ( nach 37 zu 25 ) verlierst Du 38 zu 40. Spott und Hohn über Deine mentale Schwäche… gewiss kein Sieger… nervös… kann mit Druck nicht umgehen. In Wirklichkeit waren alle vier Stellungen sibirisch, hoffnungslos schlecht, und drei von ihnen hast Du exzellent gespielt, Deine Mentalität in diesen vier Aufnahmen war Spitzenklasse.

2a) Dein Gegner macht bei 39 zu 35 einen dummen Fehler und lässt Dich ans Blatt mit einer letzten Chance. Du machst fünf leichte Punkte, weil Du zweimal Ball drei so dünn triffst, dass Du wieder eine schöne offene Stellung hast. Jeder 0,5er hätte die fünf gemacht, aber Du wirst bejubelt als der eiskalte Killer und der Sieger mit der Sag - niemals - nie – Mentalität.

2b) Du hast gegen einen wesentlich stärkeren Gegner eine fehlerfreie Partie hingelegt. Bei 39 zu 35 machst Du Deinen Ersten dummen Fehler, und er bestraft Dich mit fünf. Du bist ein 1,3er Spieler, er ein 2,0er Spieler, und das Match endet  39 zu 40 in 19 Aufnahmen. Dein hervorragendes Spiel in den ersten 18 Aufnahmen ist sofort wieder vergessen.

Ja, Spieler lassen manchmal Punkte aus wegen ihrer Nerven, aber wesentlich öfter lassen sie aus, weil der Ball schwierig war. Wenn wir über das Hauptturnier beim Welt Cup sprechen, sind die Spieler, die ihre Nerven nicht unter Kontrolle haben oder unter Druck eingehen, längst im Hotel oder auf ihrem Weg nach Hause, bevor es Freitag ist. Gibt es überhaupt Spieler, die niemals beschuldigt werden, mental schwach zu sein und nicht in der Lage seien, unter Druck ihr Bestes geben? Ja! Ihre Namen sind Sanchez, Jaspers, Zanetti, Caudron, Blohmdahl, Merckx. Die Besten der Besten.

Sehen wir nun, was hir abläuft? Siehst Du die perverse Logik? Ich will es mal so sagen. Usain Bolt gewinnt die 100m immer, und das liegt zu 10% an seiner mentalen Stärke, seiner Konzentrationsfähigkeit, seinem Selbstvertrauen, zu 90% liegt es daran, das er schneller rennt als die anderen. Es wäre vielleicht nicht so dumm, wenn wir Dreiband durch diese Brille betrachten können, anstatt persönliche Eigenschaften von Spielern anzugreifen, die direkt unter dem Niveau der Weltmeister rangieren.

Caudron und Sanchez sind schlicht und einfach besser als die 1,5er und haben mehr in ihrer Werkzeugkiste. Wenn der Tisch schwierig ist, passen Sie sich schneller an und spielen andere Bälle. Wenn die Stellung unmachbar aussieht, finden Sie eine geschickte Verteidigung. Sie gewinnen nicht immer wegen ihrer unerschütterlichen mentalen Stärke, viel öfter gewinnen sie, weil sie mehr wissen, flexibler sind und kreativer. Ich denke das sie nur ganz wenig mehr an mentaler Stärke haben als die 1,5er Spieler und keineswegs einen dramatischen Vorsprung. Lasst uns nachsichtig bleiben mit den Spielern die verlieren. Was hättest Du in ihrer Lage mit den Stellungen, die sie bekommen haben, angefangen? Und zu guter Letzt: Wenn Du wirklich sehen willst, wie jemand spielen kann, dann schau nicht auf die Tafel, schau auf den Tisch. Da wird gespielt.

 

Mit freundlicher Genehmigung

Bert van Manen und KOZOOM

 

 

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